Achtsamkeitsimpuls

 

“Achtsamkeitsimpuls 51″

Achtsamkeit ist eine Pause – der Raum zwischen Reiz und Antwort: Das ist´s wo die Wahl liegt.

Tara Brach

Du hast zu jeder Zeit die Wahl!
Nehmen wir doch einmal das bevorstehende Weihnachtsfest. Wie geht es dir, wenn du daran denkst? Vielleicht ist es auch bei dir das Fest, an dem sich die ganze Familie trifft. Und möglicherweise hast du schon eine Vorahnung, wie es ablaufen könnte. Denn: Alle Jahre wieder…
Die Eltern und Schwiegereltern, die Tanten und Anverwandten… – jeder Einzelne mit seinen Erwartungen! Das Fest der Liebe. Es soll ja schön werden und harmonisch. Die Anspannung steigt. Und da kommt es! Genau darauf hast du schon gewartet! Jemand sagt zu dir: „Na, du hättest dich aber auch das Jahr über mal öfter melden können! Du lässt ja gar nichts mehr von dir hören!“ – Wie reagierst du? Vielleicht fühlst du dich angegriffen, willst dich rechtfertigen? Vielleicht platzen die Worte einfach so aus dir heraus… und – die Stimmung ist dahin! Hätte es anders laufen können?

Tara Bach sagt, es gibt einen Raum zwischen Reiz und Antwort. Und nehmen wir diesen Raum achtsam wahr, erkennen wir, dass wir eine Wahl haben. Erlaube dir diese Pause der Achtsamkeit und reagiere nicht einfach auf das Gesagte. Du kannst zum Beispiel einen tiefen Atemzug nehmen, dabei bis 10 zählen und in dich hineinspüren. Frage dich: „Was löst diese Aussage bei mir aus?“ Möglicherweise fühlst du dich dadurch angegriffen oder es ist aus deiner Sicht einfach nicht wahr, denn du hattest dich vielleicht regelmäßig gemeldet. Vielleicht hörst du in dieser Aussage auch eine Aufforderung, dass du mehr Zeit investieren solltest, die du aber nicht hast und dir auch nicht nehmen willst. Oder du erkennst in dieser Aussage eventuell auch das Bedürfnis der Person, die dir das soeben mitgeteilt hat. Was es auch ist, nimm es wahr. Und vor allem nimm deine Gefühle dazu wahr. Es gibt in diesem Moment kein „das darf da sein“ oder „das darf nicht da sein“. Genauso wenig wie gut oder schlecht. Denn es ist ja schon da. Also wehre dich nicht dagegen!

Stattdessen nutze, was du wahrgenommen hast und frage dein Gegenüber: „Was genau meinst du damit? Bei mir nehme ich gerade wahr, dass…“

Vielleicht ahnst du schon, dass hiermit Verständnis füreinander möglich wird. Also mache die Pause der Achtsamkeit und nutze den Raum zwischen Reiz und Antwort für deine bewusste Wahl der Reaktion.

In diesem Sinne wünsche ich dir eine achtsame und entspannte Weihnachtszeit.

Dies wird mein letzter Achtsamkeitsimpuls in diesem Jahr sein, denn auch ich mache eine „achtsame Pause“, um neue Ideen zu finden, wie es weitergeht.

Alles Liebe
Sylvia

Bei Fragen oder Anregungen freue ich mich über Feedback von dir.

 

“Achtsamkeitsimpuls 50″

Ein einziger dankbarer Gedanke gen Himmel ist das vollkommenste Gebet.

Gotthold Ephraim Lessing

Letzte Woche habe ich dich eingeladen, die Adventszeit zu nutzen, um nach innen zu gehen. Dir die Zeit zu nehmen, um achtsam und bewusst die Aktivitäten anzuschauen, die du gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit unternimmst…
Wofür oder für wen machst du es?
Hast du dir die Zeit genommen? Oder sollte dein Tag vielleicht eine Stunde länger sein, damit du dafür noch Zeit findest? – Ja? Du bräuchtest also eine Stunde mehr am Tag? Dann solltest du jetzt unbedingt weiterlesen…

Die 25. Stunde – oder hast du Zeit für Achtsamkeit, Gebet und Dankbarkeit?

Viel Zeit liegt vor uns. Er gibt uns diese Zeit, Hunderte von Tagen, Tausende Stunden – allein in diesem Jahr. Wie sehr werden wir immer wieder von Gott reich beschenkt!
Nur: Wie oft sagen wir gerade das Gegenteil: «Ich habe zu wenig Zeit. Die Zeit ist knapp.» Oder, noch drastischer: «Dafür habe ich leider überhaupt keine Zeit.» Leider auch des Öfteren: «Keine Zeit mehr für Gott.»
Und so geschah eines Tages Folgendes: Besorgt meldeten die Engel dem Schöpfer, dass die Menschen fast gänzlich aufgehört hätten zu beten. Daraufhin beschloss der himmlische Rat, die Ursachen durch eine Schar von Engeln untersuchen zu lassen.
Diese berichteten folgendes: Die Menschen wissen um das Fehlen ihrer Gebete und beklagen es. Aber leider hätten sie trotz ihres guten Willens einfach keine Zeit zum Beten. Im Himmel war man verblüfft und erleichtert: Statt des befürchteten Abfalls handelte es sich also nur um ein Zeitproblem!
Die himmlischen Räte überlegten hin und her, was zu tun sei. Einige meinten, man solle durch entsprechende Maßnahmen das moderne, hektische Leben abschaffen. Eine Gruppe schlug sogar eine Bestrafung des Menschengeschlechtes vor: «Das wird schon seine Wirkung tun», sagten sie und verwiesen auf die Sintflut.
Das Ei des Kolumbus aber fand ein junger Engel: Gott solle den Tag verlängern! Zur Überraschung aller war dieser einverstanden. Er schuf eine 25. Tages-Stunde.
Im Himmel herrschte Freude: «So ist Gott eben», sagte man, »Er hat Verständnis für seine Geschöpfe.»
Als man auf der Erde zu merken begann, dass der Tag eine Stunde länger dauerte, waren die Menschen verblüfft und, als sie den Grund erfuhren, von Dankbarkeit erfüllt. Erste Reaktionen waren vielversprechend: Es werde zwar einige Zeit dauern, so hörte man aus informierten Kreisen, bis die Anpassung vollzogen sei, aber dann werde sich alles einspielen. Nach einer Zeit vorsichtiger Zurückhaltung ließen die Bischöfe verlauten, die 25. Stunde werde als «Stunde Gottes» in das Leben der Menschen eingehen.
Im Himmel wich die anfängliche Freude bald der Ernüchterung. Wider alle Erwartung kamen im Himmel nicht mehr Gebete an als bisher, und so sandte man wiederum Boten zur Erde. Diese berichteten:
Die Geschäftsleute ließen sagen, die 25. Stunde – für die man sich durchaus zu Dank verpflichtet sehe – habe durch die Umstellung der Organisation Kosten verursacht. Durch erhöhten Einsatz müssten diese Kosten eingearbeitet werden. Man bitte um Verständnis für diese Sachzwänge.
Ein anderer Engel war bei der Gewerkschaft. Erstaunt, aber doch höflich wurde er angehört. Dann erklärte man ihm, die neue Stunde entspreche eigentlich einer längst überfälligen Forderung der Gewerkschaft. Im Interesse der Arbeitnehmer müsse sie für die Erholung freigehalten werden.
In Kreisen der Intellektuellen wurde über die neue Stunde viel diskutiert. In einer vielbeachteten Gesprächsrunde im Fernsehen wurde vor allem darauf hingewiesen, dass dem mündigen Bürger niemand vorschreiben könne, was er mit dieser Stunde zu tun habe. Die Idee der Bischöfe, sie als «Stunde Gottes» im Bewusstsein der Menschen zu verankern, müsse als autoritäre Bevormundung zurückgewiesen werden. Im Übrigen sei die Untersuchung darüber, wie die neue Zeiteinheit entstanden sei, nicht abgeschlossen. Naiv-religiöse Deutungen aber könnten dem Menschen auf keinen Fall zugemutet werden.
Dem Engel aber, der zu den kirchlichen Kreisen gesandt worden war, wurde bedeutet, dass man ohnehin bete. Der Eingriff des Himmels, so sagte man, dürfe auf jeden Fall nur als ein Angebot verstanden werden, als ein Baustein der persönlichen Gewissensentscheidung.
Einige gingen noch weiter und sagten, aus der Sicht der kirchlichen Basis sei die ganze Angelegenheit kritisch zu bewerten: Die Zweckbindung der 25. Stunde zugunsten des Gebets sei eng und könne auf gar keinen Fall «von oben» verfügt werden, d.h. ohne entsprechende Meinungsbildung «von unten». Manche Pfarrer betonten, wie dankbar sie für die zusätzliche Zeit seien, deren sie dringend für ihre pastorale Arbeit bedürften. Und so hatten eigentlich fast alle einen Grund, warum die dazugewonnene Tagesstunde nicht dem Gebet gewidmet sein könne.
Einige Engel aber berichteten von Menschen, die die geschenkte Zeit wie jede andere Stunde ihres Lebens aus den Händen Gottes annahmen: Für ihre Aufgaben, für den Dienst an den Mitmenschen, für die Teilnahme an der heiligen Messe und – für das Gebet, für das sie jetzt noch leichter Zeit fanden als bisher.
Darüber waren die Engel freilich auch verwundert: Diejenigen, die die 25. Stunde tatsächlich in den Dienst Gottes stellten, waren dieselben, die schon bisher genügend Zeit zum Beten gehabt hatten.
So erkannte der himmlische Rat: Das Gebet ist eine Frage der Liebe. Zeit allein bringt kein Beten hervor. Diejenigen, die nicht beten wollen, werden auch mit einem längeren Tag «keine Zeit» zum Beten finden. Zeit haben, genau besehen, immer nur die Liebenden.
Daraufhin wurde beschlossen, Gott zu bitten, die 25. Stunde wieder abzuschaffen und auch die Erinnerung daran aus den Köpfen der Menschen zu löschen. Und so geschah es.

-Eine Geschichte von der Karl-Leisner-Jugend-

Ich wünsche dir einen schönen 3. Advent und eine gute Woche.

Alles Liebe
Sylvia

 

“Achtsamkeitsimpuls 49″

Die vorweihnachtliche Adventszeit ist eine Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, wäre da nicht der Vorweihnachtsstress.

Gudrun Kropp

Heute beginnt in der christlichen Tradition die Adventszeit. Eine Zeit, die dazu dienen sollte, zur Ruhe zu kommen. Doch, was machen wir daraus?

Das Wort „Advent“ kommt aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie „Ankunft“. Nun könnte man sagen: „Na klar, Ankunft Gottes auf der Erde durch die Geburt von Jesus!“ Das ist ja auch das, was wir Christen feiern. Wir zählen die Tage bis zur Geburt Christi.

Doch das Wort „Ankunft“ möchte ich heute einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten und hierzu die Natur zum Vorbild nehmen:
Die Tage werden kürzer und es bleibt länger dunkel. Bäume und Sträucher nutzen diese Zeit, um nach innen zu gehen. Sie ziehen ihre Säfte im Kern zusammen, um sich vor der Kälte im Winter zu schützen, aber auch um neue Kraft zu sammeln, so dass sie im Frühjahr aus ihrem Kern heraus wieder wachsen können.
Und was macht der Mensch? Der Mensch beleuchtet Straßen und Häuser, damit es hell ist. Kauft sich Jacken und Schuhe, die leuchten oder zumindest reflektieren – und geht raus. Vieles muss besorgt und erledigt werden. Denn es gibt jetzt so vieles zu tun. Die Weihnachtsdekoration, die Weihnachtsplätzchen und nicht zu vergessen – die Geschenke. Denn jetzt geht es darum, die Geschenke für seine Liebsten zu finden. Und dass wir das so machen müssen, bekommen wir ja schließlich laufend über sämtliche Medien suggeriert.

Wir leben also gegen unsere Natur und wundern uns, weshalb wir so gestresst sind! Ein gigantisches Phänomen! Und ich habe den Eindruck, es wird von Jahr zu Jahr schlimmer.

Deshalb habe ich mir überlegt, wie es wohl wäre, wenn wir diese Adventszeit dazu nutzen würden, um bei uns selbst anzukommen? Wenn uns jeder Tag dazu dienen würde, etwas mehr nach innen zu gehen, uns selbst zu spüren und uns somit wieder besser wahrnehmen zu können. Wenn wir uns zurücknehmen um Kräfte zu sammeln, anstatt uns im Vorweihnachtstrubel auszupowern. Wenn wir jeden Tag ein wenig bewusste Zeit mit uns selbst verbringen, um innezuhalten anstatt zu hetzen. Jeden Tag ein bisschen mehr…
Um wieviel schöner wäre dann wohl Weihnachten?

Ich lade dich ein, dir selbst diese Frage zu stellen und vielleicht diese Zeit auch für dich zu nutzen. Frage dich, bevor du dich in den Weihnachtsstress stürzt: “Für wen mache ich das jetzt? Mache ich es für mich oder für meine Lieben? Oder mache ich es nur, weil ich es immer schon so gemacht habe, oder weil es alle anderen so machen? Und was wäre, wenn ich es nicht mache, sondern mir Zeit für mich nehme, um zum Beispiel ein schönes Buch zu lesen, Musik zu hören oder mir ein wohltuendes Bad zu gönnen?” Und dann entscheide dich bewusst für das, was sich für dich besser anfühlt. Und wenn du für dich entscheidest, dass dir die ganzen Vorbereitungen wichtig sind. Dann sage ja dazu und mache es aus ganzem Herzen. Entscheide dich ganz bewusst dafür. In diesem Fall machst du es ja für dich und es wird dann weniger stressig sein.

Egal, wofür du dich entscheidest: Mache es achtsam und bewusst. Genieße es!

Ich wünsche dir eine gute Woche.

Alles Liebe
Sylvia

Bei Fragen oder Anregungen freue ich mich über Feedback von dir.

 

“Achtsamkeitsimpuls 48″

Wenn das Wissen um die Vergänglichkeit in die Waagschale geworfen wird, verliert das Begehren seine Macht.

Marie Mannschatz

Vergangene Woche habe ich vom Loslassen geschrieben, von dem Blatt, das loslässt, ohne zu wissen, was mit ihm passieren wird…
Wenn es auf den Boden fällt und dort liegen bleibt, wird es vergehen. Doch, Vergänglichkeit ist ein Thema, mit dem wir uns nicht so gern beschäftigen und lieber einen großen Bogen darum machen. Dennoch gehört es unausweichlich zum Leben. Und je früher wir damit beginnen, Vergänglichkeit zu akzeptieren und dabei das Werden und Vergehen jeden Lebens erkennen, umso bewusster leben wir.
Im Alltag verdrängen wir es meist sehr erfolgreich. Wir gehen davon aus, dass morgen alle und alles noch genauso da sein wird, wie heute. Doch machen wir uns bewusst, dass alles seine Zeit hat, dass alles Kommt und Geht, ohne dass wir wissen, wieviel Zeit uns bleibt, verändert sich etwas. Deshalb frage ich mich immer mal wieder: „Was wäre wenn…?“, zum Beispiel eine mir nahestehende Person versterben würde? Oder ich selbst? Würde ich dann noch genauso leben und weitermachen, wie ich es im Moment mache? Oder würde ich etwas anders machen? Was wäre mir dann wirklich noch wichtig und was wird plötzlich nichtig?
Wenn ich mir dies immer wieder vergegenwärtige, fällt es mir leichter Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Meist breitet sich dabei auch eine große Dankbarkeit aus und ich erkenne, wie kostbar jeder Moment des Lebens ist.

Ich lade dich ein, dir heute oder in der kommenden Woche ca. 20 Minuten Zeit für folgende Achtsamkeitsübung zu nehmen:
Setze dich bequem hin und konzentriere dich einige Atemzüge lang ganz auf deinen Atem. Komme dabei mehr und mehr bei dir an und entspanne dich. Gehe gedanklich zur Natur, die uns gerade im Herbst die Vergänglichkeit besonders spiegelt. Werde dir bewusst, dass alles ein Kreislauf ist und auch menschliches Leben vergänglich ist. Welche Erfahrungen hast du selbst mit Vergänglichkeit? Wie erlebst du Vergänglichkeit in deinem Alltag? Ängstigt dich der Gedanke daran? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Lasse alle Gedanken und Gefühle zu. Was verändert sich? Wie möchtest du in Zukunft mit dir und anderen umgehen? Erkennst du, wie kostbar jeder Augenblick ist? Lasse dir Zeit dafür…
Beende die Übung mit einem tiefen Atemzug und komme wieder zurück in das Hier und Jetzt. Wenn du magst, kannst du dir deine Gedanken dazu jetzt auch aufschreiben. Gehe bei dieser Übung sehr achtsam mit dir um und überfordere dich nicht.

Bei Fragen oder Anregungen freue ich mich über Feedback von dir.

Ich wünsche dir eine gute Woche.

Alles Liebe
Sylvia

“Achtsamkeitsimpuls 47″

Wer Leben ins Leben bringen will, muss das Festhalten-Wollen aufgeben.

Ernst Ferstl

Ich sehe aus dem Fenster und beobachte ein Blatt, das sich in diesem Moment vom Ast löst. Es hat einfach losgelassen…

Sanft schwebt es Richtung Boden, dem Unbekannten und Ungewissen zu. Wo wird es landen? Was wird mit ihm geschehen? Eine Windböe wirbelt es noch einmal nach oben. Mehrere Blätter kommen hinzu und bilden eine Art Strudel, bevor es trudelnd wieder nach unten geht. Kurz vor dem Boden bekommt das Blatt noch einmal einen zarten Aufwind und sinkt nun ganz langsam Richtung Erde.

Dort angekommen, bleibt es erst einmal liegen. Keiner weiß, was geschehen wird. Vielleicht wird unser Blatt von einem Kind entdeckt, mitgenommen und zum Basteln verwendet. Vielleicht wird aus dem Blatt noch ein wunderschönes Blättermännchen-Bild, das dem Kind und den Eltern ein Lächeln entlockt? Möglicherweise dient das Blatt als Schutz für Kleintiere im Winter. Andererseits könnte aber auch jemand mit einem Laubbläser vorbeikommen, der das es unsanft wegpustet, um es dann mit anderen Blättern in einen Sack zu stopfen. Vielleicht aber bleibt das Blatt auch nur liegen und verrottet.

Ein Blatt, das sich vom Baum gelöst hat, weiß nicht, was es erwarten wird. Und doch spürt es, dass es keine andere Wahl hat, als loszulassen. Was würde denn sonst passieren, wenn es nicht loslässt? Es bliebe möglicherweise alleine, am Baum hängend zurück. Müsste Wind, Wetter und Kälte trotzen, um dann im Frühjahr von den frischen Trieben verdrängt zu werden. Keine besonders angenehme Vorstellung.

Ist es in unserem Leben nicht auch manchmal so? Insgeheim wissen  wir, dass wir loslassen und uns dem Leben anvertrauen sollten – doch wir zögern, haben Angst vor dem Ungewissen. Befürchten, mit dem, was kommen mag, nicht fertig zu werden. Halten an alten Gewohnheiten, Gegenständen und Lebenssituationen fest, auch dann wenn sie uns längst nicht mehr gut tun. Werden dabei immer verkrampfter und unzufriedener, bis irgendwann jemand für uns entscheidet! Doch in den seltensten Fällen ist diese Entscheidung dann das, was wir wollen. Im Gegenteil, manchmal können diese Entscheidungen lebensverändernde Folgen haben, die äußerst heftig sind: Wir werden gekündigt, der Partner verlässt uns oder Senioren müssen plötzlich aus gesundheitlich bedingten Gründen ihr gewohntes Umfeld verlassen und in irgendein Altersheim ziehen, in dem gerade ein Platz frei geworden ist. Im ersten Moment hat man dann keine freie Wahlmöglichkeit mehr. Andere haben nun entschieden, weil man sich selbst womöglich nicht getraut hat, rechtzeitig loszulassen und etwas in seinem Leben zu verändern.

Vielleicht möchtest du dir diese Woche dafür Zeit nehmen, reinzuspüren, wo in deinem Leben du noch festhältst und wo es besser sein könnte, loszulassen? Dabei kannst du „gedanklich“ entweder der Baum sein, der sich von seinem ganzen „unnötigen“ Ballast löst und die Säfte zurücknimmt, um gut durch den Winter zu kommen, oder das Blatt, das weiß, dass es Zeit geworden ist loszulassen, um Neues zu erkunden und sich weiterzuentwickeln.

Ich wünsche dir eine gute Woche

Alles Liebe
Sylvia